Gepriesen sind die Skifahrer“ – Schneeschulfahrt 2017 nach Fügen / Österreich

Schneeschufahrt III

Es ist Freitagabend, die letzten Sachen werden nervös in die Reisetasche gepackt, als mir eine Stimme aus dem Hintergrund zuruft: „Gepriesen sind die Skifahrer.“ Im Fernsehen läuft Monty Python´s Klamaukklassiker “Das Leben des Brian”. „Gepriesen sind die Skifahrer.“  – Wie er das wohl meint?

Als zwei Stunden später unser Bus vom Schulhof fährt, werden wir von Schneeflocken und den gespannten Blicken der Eltern begleitet. Doch schon kurz hinter Köln (wen wundert es) geraten wir in eine Vollsperrung, weil ein LKW, offensichtlich sommerbereift, die Leitplanke durchbrochen hat. So kommt es, dass wir mit deutlicher Verspätung im Zillertal ankommen, als unser Bus ,1,4 km vom Ziel entfernt, unvermittelt anhält. Nachdem beide Busfahrer für längere Zeit den Bus verlassen haben, scheinbar nur um immer wieder herein zu kommen und ihre Flüche auszustoßen, war es Herr Walter, der sich ein Herz fasste und den beiden zeigte, wie man die Schneeketten richtig auf die riesigen Busreifen aufzieht.

Im Haus Talblick angekommen begrüßen uns Martina und Alois mit den Worten: „Jetzt gibt’s kein Frühstück mehr, jetzt gibt’s was Anständiges: BURGER!“ Der Jubel darüber ist groß.

Nachdem wir uns gestärkt und unsere Zimmer bezogen haben, führt uns Theo N. aus der 7c fast zielsicher zum Skiverleih. Nach wie vor schneit es kräftig und es muss wohl nicht erwähnt werden, dass völlig verbotenerweise der ein oder andere Schneeball sein Ziel in Gesicht, Nacken und anderen Körperteilen der Mitschüler findet.

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Am Morgen des ersten Skitages zu nachtschlafender Zeit werden wir von Herrn Bollig und Herrn Walter mit Musik aus ihrer längst vergangenen Jugend geweckt, … traumhaft, … ist vor allem das Tigeroutfit von Herrn Bollig. Er selbst findet es großartig, alle anderen unbeschreiblich.

Gut gelaunt und von einem leckeren Frühstück gestärkt geht es dann auf die Piste. Während die drei Fortgeschrittenengruppen (2x Ski und 1x Snowboard) sofort nach dem Aufwärmspiel zielstrebig die Hänge runterdüsen, verbleiben die beiden Anfängergruppen am Übungshang und machen ihre ersten Rutschversuche. Erwähnenswert ist, dass alle 40 Schülerinnen und Schüler am Ende der sechs Skitage große Fortschritte gemacht haben, sodass sie sicher blaue und rote Pisten abfahren können. Das abschließende Zeitschätzrennen auf der Piste der Achteralm hat Maxim aus der 8d (Boarder) sensationell knapp vor Chantal (8d) gewonnen. Besonders erfreulich ist auch, dass sich in diesem Jahr niemand verletzt hat oder krank geworden ist.

Das Abendprogramm wurde von Frau Dick vorbereitet und hatte zahlreiche Höhepunkte. Bereits am Sonntagabend toben 40 Kids durchs Haus und kämpfen bei der Chaos-Rallye darum die Schnellsten zu sein. Erstmalig spielen wir am Dienstag “escape the room”, bei dem Herr Schnitzler die Rolle des zerstreuten Professors übernimmt. Böse Zungen behaupten er hätte für die Rolle nicht lange üben müssen – wir wissen, dass es gaaaaanz anders war. Am Dienstag lassen wir den Tag bei einer Disco ausklingen und es kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass die Lehrer (und auch die –Innen) die Bude gerockt haben. Die „Pink ladies in yellow snow“ (Skigruppe der Fortgeschrittenen) führen ihre Choreo zu Bruno Mars auf, die sie extra zu diesem Zweck während diverser Gondelfahrten eingeübt haben.

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Am Mittwochabend wartet ein weiterer Höhepunkt unserer Schneeschulwoche auf uns. Nach dem Abendessen ziehen wir nochmal unsere Skiklamotten an und machen einen Fackelspaziergang bei sternenklarem Himmel zum Goglhof. Dort erwartet uns bereits ein großer Traktor mit Anhänger, der uns wenige Momente später in ruckelig-rasanter Fahrt etwa 2 km den Berg nach oben fährt. Wie das anschließende Rodelrennen ausgegangen ist, wird sich wohl niemals eindeutig klären lassen. Inzwischen beschäftigen sich diverse Gerichte mit dem endgültigen Klassement, weil das Duo Kolkmann/Weikämper sich standhaft weigert seine Niederlage einzugestehen. Unvergessen bleibt die alternative Rodeltechnik vom Team Bollig / Walter, sensationell. Nach zweimaliger Abfahrt bei -12° C freuen wir uns alle über den wärmenden Kakao im Hüttenrestaurant. Sicherlich gäbe es noch viel mehr zu erzählen, an dieser Stelle sei exemplarisch nur noch das „fliegende A…loch“ erwähnt. Doch über alle diese Dinge decken wir großzügig den Mantel des Schweigens, denn was in Fügen passiert, das bleibt in Fügen.

Die Busrückfahrt nach Hause gestaltet sich dann spannender als erhofft. Als uns der Bus mit einiger Verspätung gegen 11:00 Uhr im Zillertal abholt und alle Kids und Lehrer erschöpft in den Bus steigen, können wir noch nicht ahnen, dass wir eine Stunde später exakt an derselben Stelle stehen, nun aber um etwa 40 Wendeversuchserfahrungen reicher. Am liebsten hätten wir alle wieder Herrn Walter gebeten die Sache zu regeln, aber der kann sich ja wirklich nicht um alles kümmern.

Nach diversen Staus an der Grenze, rundum München und überhaupt, rollt unser Bus unaufhaltsam auf Langenfeld zu. Inzwischen ist es 01:00 Uhr in der Nacht und ich fange an zu ahnen, dass ich den ganzen Trubel, die Gemeinschaft zwischen Schülern und Lehrern, die jenseits der 2.000 Höhenmeter immer etwas Besonderes ist und noch weit in den Schulalltag hineinreicht, sehr vermissen werde.

Und dann steht sie auf einmal vor uns, dunkel, mächtig, beinahe bedrohlich: die Schule.

Und jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Gepriesen sind die Skifahrer, … ja, sogar die Snowboarder.

Oliver Hykes